Gewerbe anmelden: So gelingt der Gang zum Amt garantiert!

Du hast die Geschäftsidee deines Lebens und den Mut, dein Vorhaben umzusetzen? Dann hast du den Grundstein für die Gründung deines eigenen Unternehmens gelegt. Dabei solltest du nie unterschätzen, dass die Selbstverwirklichung an eine Menge Organisation gebunden ist, die du bestenfalls so früh wie möglich hinter dich bringst. Denn: nur wer ein Gewerbe ordnungsgemäß beim Gewerbeamt angemeldet hat, hat das Recht dazu, es zu betreiben.

Frau vor Laptop
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Welche Gewerbe müssen angemeldet werden?

Jeder, der dauerhaft und auf eigene Rechnung ein Geschäft betreibt, das darauf abzielt, am Monatsende einen finanziellen Gewinn einzubringen, muss das Gewerbe anmelden und einen Gewerbeschein besitzen. Die Anmeldung muss vor Beginn der Tätigkeit beim ortsansässigen Gewerbeamt erfolgen. In der Regel ist ein Existenzgründer, der sein Gewerbe anmelden muss, außerdem steuerpflichtig.

Wie hoch der Gewerbesteuerbetrag ausfällt, hängt laut Gewerbeordnung von der Art des Betriebes ab. Dabei wird zwischen Kapital- oder Personengesellschaften sowie Einzelunternehmen unterschieden: Letztere profitieren von einem jährlichen Freibetrag von aktuell 24.500 € . Gründer von Kapital- und Personengesellschaften zahlen Steuern für ihr gesamtes Einkommen. Jeder Gewerbetreibende in Deutschland ist zwangsläufig Mitglied der Industrie- und Handelskammer. In Deutschland verfügt ein meldepflichtiges Gewerbe über die folgenden Merkmale:

  • der Verkauf oder Handel von Produkten
  • die Herstellung von Waren
  • die Dienstleistung besteht in der Vermittlung
  • das Unternehmenswachstum steht im Vordergrund

Welche Regeln gelten für Freiberufler?

Wer sich als Freiberufler bezeichnen darf, muss kein Gewerbe anmelden. Die Grundlage für diesen besonderen Status bietet in der Regel ein hohe Qualifikation wie ein Hochschulstudium. Zu den freien Berufen zählen alle Tätigkeiten von wissenschaftlicher, künstlerischer, erziehender, unterrichtender sowie schriftstellerischer Natur, per Definition also Menschen, die durch ihren Beruf eine sogenannte Dienstleistung höherer Art für die Gesellschaft erbringen – der Fokus liegt vor allem auf schöpferischer Begabung.

Bevor die freiberufliche Tätigkeit beginnt, muss ein formloser Antrag beim Finanzamt eingereicht werden, das im Anschluss überprüft, ob der Status des Freiberuflers gerechtfertigt ist. Folgende Felder gehören den freien Berufen an:

  • Rechts- und Steuerberufe, Wirtschaftsberatung
  • Kulturberufe, etwa Journalisten, Dolmetscher oder Künstler
  • Heilberufe, zum Beispiel Heilpraktiker, Ärzte oder Hebammen
  • technische und naturwissenschaftliche Berufe
  • wissenschaftliche Tätigkeiten in Forschung und Lehre, auch von erzieherischer und unterrichtender Art
Antrag ausfüllen
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Was ist ein Kleingewerbe?

Nicht in allen Fällen führen Gewerbetreibende ihr Unternehmen hauptberuflich. Für alle, die bereits berufstätig sind und sich nebenher mit einer Tätigkeit selbstständig machen möchten, die einen Gewinn einbringt, ist die Anmeldung eines Kleingewerbes, auch Nebengewerbe genannt, eine Option. Im Grunde unterscheidet sich dieses per Definition kaum vom herkömmlichen Gewerbe.

Das entscheidende Kriterium ist der Jahresumsatz: Solange ein Gewerbe den Freibetrag von 24.500 € nicht übersteigt, unterliegt es der Kleinunternehmerregelung. Da Nebengewerbe von der Umsatzsteuer befreit bleiben, reduziert sich der Aufwand in Sachen Buchhaltung also maßgeblich. Ob eine Tätigkeit als Nebengewerbe angemeldet werden darf, checkt im Anmeldeprozess das Finanzamt.


Meldepflicht beim Arbeitgeber?

Prinzipiell hat dein Arbeitgeber kein Recht, dir dein Nebengewerbe zu verbieten. Nur, wenn die Tätigkeit in Konkurrenz zu seinem Unternehmen steht, die betrieblichen Interessen gefährdet sind oder du die erlaubten Arbeitszeiten überschreitest, kann dein Chef sein Veto einlegen. Näheres dazu ist in der Regel in einer Klausel im Arbeitsvertrag aufgeführt.


Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Gewerbetreibende müssen volljährig, geschäftsfähig und als Nicht-EU-Bürger im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung sein. Abhängig von der Branche, in der du dich selbstständig machst, benötigst du außerdem eine spezielle Befähigung oder Konzession, die Aufschluss über deine Qualifikation gibt. Bei der Gründung eines handwerklichen Betriebs muss zum Beispiel eine bestandene Meisterprüfung vorliegen. Zukünftige Gastronomen, die ein Lokal eröffnen möchten, benötigen eine entsprechende behördliche Genehmigung.

Kosten

Die Gebühren fallen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aus. Gewöhnlich zahlst du für deinen Gewerbeschein 10 bis 20 €. Wenn du ein Unternehmen abmelden möchtest, zahlst du nichts. Gegebenenfalls kommen weitere Kosten auf dich zu, wenn du spezielle Nachweise beantragen musst; der Endbetrag hängt also stark vom Einzelfall ab.

Der Anmeldeprozess

Die eigentliche Anmeldung deines Gewerbes kannst du persönlich oder, wenn an deinem Wohnort möglich, online erledigen. Letzteres ist vor allem in Großstädten üblich und erspart dir den Gang zum Amt. Jedoch ist das persönliche Treffen mit dem Sachbearbeiter von Vorteil – er kann dir beim Ausfüllen des Anmeldeformulars behilflich sein und mögliche Fehler aufdecken. Ein weiterer Vorteil der persönlichen Gewerbeanmeldung ist, dass der ausgedruckte Antrag beim Amt vorliegt, du also die Druckkosten sparen kannst; lediglich deine Unterlagen solltest du parat haben. Um welche genau es sich dabei handelt, verraten wir dir jetzt.

Zwei Frauen am Schreibtisch im Gespräch
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Natürlich musst du deinen gültigen Personalausweis oder Reisepass mit Meldebescheinigung vorlegen. Gegebenenfalls brauchst du die schon genannten weiteren Nachweise wie den Meisterbrief, ein Gesundheitszeugnis oder Ähnliches, die davon abhängig sind, in welcher Branche du Fuß fasst. Infos darüber, welche Dokumente du in welcher Branche benötigst, findest du auf der Website der Industrie- und Handelskammer.
Das Anmeldeformular findest du online, es sollte sorgfältig ausgefüllt werden. Wenn du auf den Besuch beim Amt nicht verzichten möchtest, liegt beim Sachbearbeiter eine ausgedruckte Version für dich parat. Eine handschriftliche Unterschrift ist wegen der Rechtskräftigkeit in jedem Fall nötig, auch wenn du die PDF online ausfüllen möchtest. Eine Anleitung zum Ausfüllen des Anmeldeformulars findest du hier.
Nachdem deine Anmeldung erfolgreich gelaufen ist und du deinen Gewerbeschein in der Tasche hast, meldet sich das Finanzamt postalisch bei dir. Jeder Unternehmer bekommt einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung der Tätigkeit zugeschickt, in dem du eine Prognose über deine erwarteten Einkünfte liefern musst. Im Anschluss erhältst du eine Steuernummer, die du auf allen Rechnungen innerhalb Deutschlands angeben kannst.
Wenn du jedoch über die Landesgrenze hinaus handeln und Produkte im Ausland verkaufen möchtest, benötigst du für dein Unternehmen zusätzlich eine Umsatzsteuernummer, die du ebenfalls beim Finanzamt anforderst.
Als Person, die ein Gewerbe führt, bist du automatisch und verpflichtend Mitglied der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer (HWK). Dementsprechend setzen sich die Kammern nach der Anmeldung mit dir in Verbindung, auch hier ist es nötig, einen Fragebogen auszufüllen. Darin teilst du Informationen über dich und dein Unternehmen mit und machst Angaben darüber, welche Einkünfte du in Zukunft haben wirst. Viele Kleinunternehmer sind aufgrund ihres vorerst kleinen Einkommens von den Mitgliedsbeiträgen für IHK und HWK befreit.
Die Berufsgenossenschaften sind für deine Unfallversicherung und Regelungen in Sachen Arbeitsgesundheit verantwortlich. Welche Genossenschaft für dich Ansprechpartner ist, ist von deiner Branche abhängig. Nach der Anmeldung muss innerhalb von einer Woche die jeweilige Genossenschaft über dein Unternehmen Bescheid wissen. Den Schritt übernimmt für dich jedoch das zuständige Gewerbeamt.

Zusätzlich kann es sein, dass du dich mit weiteren Instanzen in Verbindung setzen musst. Je nach Größe deines Unternehmens kann das zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit sein, sofern du Mitarbeiter anstellst und Sozialversicherungsnummern benötigst.


Gewerbeanmeldung verschlafen?

In all dem Gründungsstress können einige Anfängerfehler passieren. Wenn du zum Beispiel dein Gewerbe gar nicht anmeldest, deine Tätigkeit jedoch trotzdem ausführst, handelt es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit. Die kann dich im schlimmsten Fall mehrere 1000 € Bußgeld kosten. Wenn du die Anmeldefrist um lediglich einige Tage verpasst, kann es mit etwas Glück passieren, dass die zuständige Anmeldestelle ein Auge zudrückt und dein Gewerbe ohne größere Konsequenzen nachträglich registriert.