Steuererklärung - Tipps rund um das Thema Steuern

Einmal im Jahr ist die Einkommensteuererklärung fällig. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Was musst du beachten? Finde hier alle Fristen, Unterlagen und wissenswerte Infos rund um deine nächste Steuererklärung.

In aller Kürze

  • Wer den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet, muss eine Steuererklärung abgeben.
  • Die Steuererklärung wird elektronisch über ELSTER eingereicht.
  • Je nach Art deines Jobs sind andere Formulare notwendig.
  • Eine verpflichtende Abgabe muss bis zum 31.07. des Folgejahres erfolgen, für die freiwillige Abgabe hat man vier Jahre Zeit.
  • Familienangehörige dürfen helfen, Freund:innen nicht.

Was ist überhaupt eine Steuererklärung?

Eine Steuererklärung zeigt deine Einkommensverhältnisse gegenüber dem Finanzamt an. Sofern du einen Job ausübst, bei dem du mehr als den jährlichen Grundfreibetrag verdienst, kann das Amt so ermitteln, wie hoch deine monatliche Einkommensteuer ist. Im Jahr 2023 lag der Grundfreibetrag bei 10.908 €, für 2024 beträgt er 11.604 €. Je nachdem, welche Ausgaben du hattest und geltend machst, kannst du auch zu viel bezahlte Steuern zurückbekommen.

Was kann ich von der Steuer absetzen?

Typisch sind Werbungskosten, Aufwendungen für Kinder, haushaltsnahe Dienstleistungen, Sonderausgabenabzug und außergewöhnliche Belastungen.

1. Werbungskosten

Werbungskosten sind Aufwendungen, die im Zusammenhang mit dem Arbeitsleben anfallen. Wer keine Werbungskosten beantragt, bekommt einen Werbungskostenabzug in Höhe von 1.260 € zugesprochen.

Typische Angaben sind:

  • Fahrtkosten zur Arbeit
  • Fortbildungskosten
  • Umzugskosten, wenn du aus beruflichen Gründen umziehen musstest
  • Kosten für ein Arbeitszimmer zu Hause
  • Unfallkosten
  • Verpflegungspauschalen
  • Kosten für Arbeitskleidung und deren Reinigungskosten (nicht jede Kleidung ist Arbeitskleidung)

2. Aufwendungen für Kinder

Wenn du Kinder hast, kannst du dir weitere Steuervorteile sichern. Wenn Eltern für volljährige Kinder noch Kindergeld erhalten, ist es möglich, die Kranken- und Pflegeversicherung der Kinder abzusetzen. Für nicht volljährige Kinder gibt es Steuerermäßigungen für Schulgeldzahlungen oder Kinderbetreuungskosten. Für volljährige Kinder, die wegen einer Ausbildung nicht zu Hause leben, kann ein Ausbildungsfreibetrag beantragt werden. Alleinstehende Eltern haben zudem einen Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.

3. Sonderausgabenabzug

Unter Sonderausgaben werden die abgeführten Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung verstanden. Alle Versicherungsbeiträge können inzwischen in voller Höhe als Sonderausgabe angeführt werden.

Zusätzlich kann Folgendes geltend gemacht werden:

  • Riester-Renten-Beiträge
  • Spenden
  • Unterhaltszahlungen
  • Kirchensteuer

4. Haushaltsnahe Dienstleistungen

Du hast haushaltsnahe Dienstleistungen, wie z.B. ambulante Pflegedienste oder Haushaltshilfen in Anspruch genommen? Dann kannst du diese entsprechend geltend machen. Dazu müssen diese jedoch legal angemeldet und in deinem Haushalt ausgeführt werden. Ist das der Fall, können diese Leistungen steuerlich abgesetzt werden und zu einer Reduzierung deiner Steuern von 20 % beitragen.
Damit die Steuer abgezogen werden kann, muss eine Rechnung vorliegen und diese sollte nicht bar beglichen worden sein.

Kosten wie Müllabfuhrgebühren oder Materialkosten können nicht in der Steuererklärung berücksichtigt werden, Arbeitsleistungen oder Maschinen- und Fahrtkosten hingegen bis zu einem Maximalbetrag von 20.000 €, was zu einem Abzug von bis zu 4.000 € führen kann. Handwerkliche Leistungen können ebenfalls abgesetzt werden, jedoch nur die Arbeitsleistung ohne Materialkosten und in Höhe von maximal 6.000 €.

5. Außergewöhnliche Belastungen

Private Ausgaben die zwangsläufig notwendig sind, können als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung vermerkt werden. Ob sich die Angaben steuerlich lohnen, wird vom Finanzamt individuell betrachtet, da dieses je nach Fall die individuell zumutbare Belastung ermittelt. Diese Grenze ist von Einkommen, Familienstand und Anzahl der Kinder abhängig.

Es gibt zwei verschiedene Arten von außergewöhnlichen Belastungen:

Zu den besonders außergewöhnlichen Belastungen zählen z.B.:

  • Ausbildungsbeitrag für Kinder (maximal 1.200 € pro Jahr)
  • Pauschalbeiträge für eingeschränkte Personen, Hinterbliebene und Pflegebedürftige

Zu den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen zählen z.B.:

  • Krankheitskosten (z.B. für verordnete Medikamente oder ärztliche Behandlungen)
  • Aufwendungen für Hilfsmittel wie Brillen und Zahnprothesen
  • Aufwendungen für Bestattungen

Welche Unterlagen werden für die Abgabe der Steuererklärung benötigt?

Für die Steuererklärung ist eine besondere Form vorgeschrieben. Es müssen amtliche Formulare genutzt und ausgefüllt werden. Früher wurden die Daten noch handschriftlich in grüne Formulare eingetragen. Heute geht das einfacher: Die Daten können direkt online in die Formulare eingetragen werden. Im folgenden Abschnitt werden die wichtigsten Formulare, die dir bei deiner ersten Steuererklärung auf jeden Fall begegnen werden, aufgeführt.

Checkliste

Die wichtigsten Formulare im Überblick:

Der Mantelbogen, auch das Hauptformular der Steuererklärung genannt, muss von jedem:jeder ausgefüllt werden, der:die seine:ihre Steuererklärung einreicht. Dort werden die wichtigsten Informationen zur Person wie Name, Adresse, Beruf und Familienstand abgefragt.
Je nach Beschäftigungsart musst du zusätzlich zum Mantelbogen noch ein weiteres Formular abgeben. Als Arbeitnehmer:in muss die Anlage N, als Selbständige:r die Anlage EÜR sowie die Anlage G oder S abgegeben werden.

Anlage N: Hier werden Angaben zum Einkommen gemacht. Sobald du berufsbedingte Ausgaben von mehr als 1.200 € hast, kannst du diese als Werbekosten geltend machen. Ansonsten wird die Pauschale automatisch abgezogen.

Selbstständige sowie Kleinunternehmer sind zur Abgabe des Formulars zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) verpflichtet. Hinter der Einnahmen-Überschuss-Rechnung verbirgt sich eine vereinfachte Methode zur Gewinnermittlung, bei der die Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt werden. Selbstständige müssen ihre Einkommensteuererklärung samt der Anlage EÜR immer elektronisch beim Finanzamt einreichen.

Einkünfte aus selbstständiger bzw. freiberuflicher Arbeit werden in der Anlage S vermerkt und eingetragen. Der Gewinn wird über das Steuerformular EÜR ermittelt.

Wenn du als Selbstständige:r gewerblich tätig bist, musst du deinen Gewinn oder Verlust in der Anlage G eintragen und das Formular deiner Steuererklärung beilegen.
In dieser Anlage müssen alle Versicherungsbeiträge für die Altersvorsorge vermerkt werden. Steuerrechtlich gesehen spricht man hier von Sonderausgaben für gesetzliche und private Renten-, Arbeitslosen-, Kranken und Pflegeversicherungen. Versicherungen wie Berufsunfähigkeitsversicherungen, Haftpflicht- und Unfallversicherungen sowie Lebensversicherungen zählen auch dazu.
Die Riester-Rente ist eine durch staatliche Zulagen und durch Sonderausgabenabzug geförderte, grundsätzlich privat finanzierte Rente in Deutschland. Wenn du diese abgeschlossen hast, trägst du in der Anlage AV deine Angaben dazu ein.
Wenn du Kapitalerträge erzielst, für die keine Abgeltungssteuer einbehalten wird, musst du die Anlage KAP abgeben. Unter der Abgeltungssteuer werden seit 2009 alle Kapitalerträge erfasst, die nicht in einem Unternehmen anfallen und den Sparerpauschalbetrag von 1.000 € übersteigen. Diese sind mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 % steuerpflichtig.

Oft lohnt sich aber auch die freiwillige Abgabe der Anlage. Liegt dein Grenzsteuersatz nämlich unter 25 %, bekommst du zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurück erstattet.

Der Grenzsteuersatz gibt an, wie stark zusätzlich zu versteuerndes Einkommen mit Steuer belastet wird und zeigt demnach, welcher Zugewinn durch eine Steigerung des Einkommens an die Einkommensteuer abgehen würde. Dies wird schon bei 1 € über dem jeweiligen zu versteuernden Einkommen angewendet.
Diese Anlage musst du ausfüllen, wenn du Einkünfte aus dem Ausland beziehst, die auch im Inland steuerpflichtig sind und auf welche die ausländische Steuer angerechnet werden soll. Wenn die Einkünfte in Deutschland steuerfrei sind, aber den Steuersatz deiner inländischen Einkünfte verändern, muss die Anlage ebenfalls ausgefüllt werden.

Die Vermietung einer Immobilie oder der Unterhalt für deine Kinder sind Beispiele für Sonderfälle. Für diese gibt es noch zahlreiche weitere Anlagen.

Wie kann ich eine Steuererklärung elektronisch übermitteln?

Mittlerweile soll die Steuererklärung ganz ohne Papier übermittelt werden. Der elektronische Versand erfolgt per ELSTER. Die Seite ELSTER kann einfach online im Browser aufgerufen werden. Es gibt außerdem die Möglichkeit, die App MeinELSTER+ herunterzuladen, mit der Belege für die nächste Einkommensteuererklärung erfasst werden können.
Für Rentner:innen und Pensionär:innen ist mit einfachELSTER ein besonderer Service verfügbar.

ELSTER

Das Programm ist speziell auf die unterschiedlichen Personengruppen zugeschnitten und stellt je nach Bedarf unterschiedliche Informationen bereit. Nachdem bei ELSTER ein Benutzerkonto angelegt wurde können einfach Formulare, der Bescheid und andere Dokumente aufgerufen, ausgefüllt und abgesendet werden.

Der klassische Weg, die Steuererklärung in Papierform beim Amt einzureichen, ist heute nur noch bedingt möglich.

Wichtig: Jedes Jahr gibt es eine neue Version des Programms, die auch verwendet werden muss.

Welche Fristen sind bei der Abgabe der Steuererklärung zu beachten?

Die Frist der Abgabe deiner Steuererklärung ist davon abhängig, ob du zur Abgabe verpflichtet bist, das Finanzamt dich dazu auffordert oder ob du sie freiwillig abgibst.

Verpflichtete Abgabe

Wenn du zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet bist, ist die Abgabe bis Ende Juli des Folgejahres möglich. Sollte der 31. Juli auf einen Sonntag oder Feiertag fallen, darfst du bis zum nächsten Werktag abgeben. Unter Umständen ist auch eine Fristverlängerung möglich. Wenn du die Abgabe jedoch zu lange aufschiebst, ohne es vorher anzukündigen, musst du mit Sanktionen von mindestens 25 € pro angefangenem verspäteten Monat rechnen. Unterstützt ein:e Steuerberater:in dich bei deiner Steuererklärung, verlängert sich die Frist automatisch bis Ende Februar des übernächsten Jahres.

Aufgeforderte Abgabe

Sofern du ein Schreiben bekommst, in dem du vom Finanzamt zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert wirst, wird dir darin auch gleich eine Frist gesetzt. Solltest du diese nicht einhalten können, ist es ratsam, rechtzeitig einen Antrag auf Verlängerung zu stellen. Hältst du dich nämlich nicht an die Frist, droht eine Strafe.

Freiwillige Abgabe

Gibst du deine Steuererklärung freiwillig ab, sind die Fristen länger. Du hast exakt 4 Jahre Zeit. Deine freiwillige Steuererklärung für 2023 müsste also am 31.12.2027 beim Finanzamt sein. Es reicht nicht, wenn du deine Steuererklärung am 31.12. per Post los schickst, da diese bis 12 Uhr eingegangen sein muss. Du kannst sie aber noch bis 24 Uhr an dem Hausbriefkasten deines Finanzamtes einwerfen, da dort automatisch ein Eingangsstempel mit Uhrzeit auf dem Umschlag angebracht wird.

Wer darf bei der Steuererklärung helfen?

Da ein:e Steuerberater:in Geld kostet, ist es naheliegend, dass du dich erst einmal selbst mit der Steuererklärung auseinandersetzt und dir Tipps und Hilfe aus dem Umfeld holt. Rein rechtlich gesehen darf aber nicht jede:r offiziell bei der Steuererklärung helfen.

Alle Angehörigen deiner Familie dürfen dir bei den Steuerformularen helfen und umgekehrt. Auf dem Mantelbogen können sie sogar als Mitwirkende aufgeführt werden. Jede:r, der:die nicht zu deiner Familie zählt, darf dir nicht helfen. Werden deine Kommiliton:innen, Freund:innen oder Arbeitskolleg:innen dabei erwischt, droht eine Strafe von bis zu 5.000 €.

Der Grund: Es handelt sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit. Wenn Bekannte oder Freund:innen helfen, kann es auch zu Falschberatungen, Fristversäumnissen und finanziellen Nachteilen kommen. So etwas ist aber nicht versichert, falls etwas schief geht.

Ist die Familie keine große Hilfe, macht es Sinn, sich an einen Lohnsteuerhilfeverein zu wenden. Angestellte können sich hier gegen einen niedrigen Jahresbeitrag beraten lassen. Für Selbstständige steht dieser Service jedoch nicht zur Verfügung.

Ansonsten steht nur noch die Hilfe einer Steuerberatung, eines:einer Steuerbevollmächtigten oder Rechtsvertretung zur Auswahl. Diese Variante ist recht kostspielig, bei komplizierten Fällen aber durchaus empfehlenswert. Die Bezahlung der Steuerberatung hängt von der Höhe des Einkommens und vom Umfang der Steuererklärung ab. Diese Leistungen darf jede:r in Anspruch nehmen.

Du brauchst Hilfe bei Deiner Steuererklärung?

Finde hier ein:e Steuerberater:in in deiner Nähe!

Wichtige Fragen schnell beantwortet

Übersteigt die Rente den Grundfreibetrag von 11.604 € für Ledige und 23.208 € für Verheiratete im Jahr 2024, sind Rentner:innen steuerpflichtig.

Ob die erzielten Einkünfte aus Mietzahlungen oder Lohn, Gehalt und Rente stammen, ist dabei völlig unerheblich. Grundsätzlich gilt, dass auch Mieteinnahmen von Immobilien versteuert werden müssen.
Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass nicht der komplette Betrag der Rente versteuert werden muss. Wie hoch die steuerpflichtige Rente tatsächlich ist, richtet sich immer nach dem Jahr, in dem der/die Arbeitnehmer:in in Pension gegangen ist. Für das Jahr 2024 liegt dieser Wert bei 84 %.

Weitere Infos zum Besteuerungsanteil und Rentenfreibetrag der nächsten Jahre
Studierende sind in der Regel nicht zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet. Überschreiten sie den Jahresgrundfreibetrag nicht, müssen sie auch keine Steuern zahlen.

Die freiwillige Abgabe der Erklärung kann sich jedoch lohnen. So können beispielsweise Miet-, Fahrt- und Ausbildungskosten als Werbungskosten oder Sonderausgaben anerkannt werden.

Um dein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen zu können, muss es sich bei diesem um einen separaten Raum handeln, der den Mittelpunkt deiner gesamten beruflichen Tätigkeit bildet. Das betrifft vor allem freie Journalist:innen oder Künstler:innen. Ist diese Voraussetzung gewährleistet, kann das “Home Office” unter den Werbungskosten in der Anlage N unter “Aufwendung für ein häusliches Arbeitszimmer” abgesetzt werden. Je nach Größe des beanspruchten Raumes kann eine anteilige Berechnung der Kosten im Verhältnis zum Rest der Gesamtwohnfläche abgesetzt werden. Die Ausstattung des Zimmers kann zusätzlich auch noch abgesetzt werden. Anstatt der exakten Ermittlung der Kosten kann auch eine Jahrespauschale von 1.260 € beansprucht werden.

Für jeden Tag, den du im vergangenen Jahr von zu Hause aus gearbeitet hast, kannst du eine Pauschale von 6 Euro pro Tag absetzen. Der maximale Betrag pro Jahr beläuft sich auf 1.260 €. Im Gegensatz zur steuerlichen Absetzung eines Arbeitszimmer, kann die Homeoffice-Pauschale grundsätzlich jede:r geltend machen, der von zu Hause aus arbeitet – egal ob im Wohnzimmer, am Küchentisch oder auf der Couch. In unserem Ratgeber findest du übrigens Tipps und Tricks für Mobile und Homeoffice.
Solltest du es aus bestimmten Gründen nicht schaffen, deine Steuererklärung zum Fristende an das Finanzamt zu schicken, musst du schriftlich um eine Verlängerung bitten. Dafür reicht ein formloses Schreiben aus, in dem du um eine Verlängerung bittest. Außerdem gibst du in deinem Schreiben die Begründung für deine Verlängerung an und nennst zudem eine neue Frist. Diese darf nicht später als auf den 30. September gelegt werden.